Der Souveräne

Du bist ein Verfechter souveränen Vehaltens. Du findest, dass deiner Auffassung nach hysterisches und kindisches Verhalten, zum Beispiel in Konfrontation mit Bullen und Repressionsorganen, dem Ansehen der Szene schadet und sie Glaubwürdigkeit kostet. Souveränität ist dabei für dich, anderen potent-männlich und voller Selbstbewusstsein entgegenzutreten. Für dich ist klar, dass souveränes Auftreten nur vom eigenen Verhalten abhängig ist und jede das kann und entsprechende Anerkennung erfahren wird.

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Durchsetzer und Dem Anführer.

Der Provokateur

Du liebst es zu provozieren. Du lässt nicht locker, egal wie sehr eine Person keinen Bock auf eine entsprechende Diskussion hat. Dabei sind dir heftige Wortgefechte am liebsten, nach deren Ende sich beide Parteien unversöhnlicher gegenüberstehen als zuvor.

Auch in Überschneidung mit Dem Diskutierer, Dem Allwissenden und Dem Mit Dem Durchblick zu finden.

Der bescheidene Ally

Da du auf keinen Fall möchtest, dass eine Aktion ein zu männliches Gesicht bekommt, bist du der, der sich am meisten dafür einsetzt, dass cis-hetero-weiß-männliche Personen, wie du eine bist, nicht die Hauptrolle spielen sollten. Das war zwar auch nie vorgesehen, aber trotzdem bekräftigst du zur Sicherheit, dass du diese Rolle nicht spielen solltest aufgrund deiner privilegierten Position. Die Aufgabe, die du übernimmst, nimmst du dann sehr ernst und das muss dann auch mit entsprechend viel Aufmerksamkeit gewürdigt werden. Außerdem gefällt es dir jetzt auch nicht, wenn du gar keine coole Aufgabe übernehmen kannst, weshalb du dann einfach vorschlägst, dass du ja aufgrund deiner Kompetenz etwas Zusätzliches machen könntest, sodass die Aktion ihr nicht-männliches Antlitz nicht verliert, aber trotzdem dein Können voll zum Einsatz kommt.

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Faulpelz.

Der Sensible

Du willst mit dem Klischee, dass Frauen das „gefühlvolle Geschlecht“ sind, ordentlich aufräumen! Deine Gefühle und Probleme müssen IMMER Vorrang vor allem anderen haben. Und du hast viele, viele verschiedene Gefühle und Nöte. Ungefragt und wirklich zu jeder Gelegenheit breitest du sie vor anderen aus. Vor allem vor Frauen, weil die kennen sich damit aus, sie sollen dir helfen! Natürlich stimmt das Klischee nicht, das weißt du, aber trotzdem sind doch Frauen irgendwie da mehr in so Gefühlssachen involviert, oder? So historisch betrachtet und so. Wenn nötig, muss also jede Woche das Plenum abgebrochen werden, um über deine Probleme, bei Frauen zu punkten und ähnliches, zu sprechen. Du beweist allen damit, dass Männer auch Gefühle haben dürfen und das findest du unglaublich cool von dir!

Auch in Überschneidung mit Dem Feministischen Verführer und Dem Antisexisten zu finden.

Der diskriminierte Mann

Defma(*) ist dein Ding. Du hast jedoch nicht verstanden, dass Defma im Kontext sexualisierter Übergriffe und ihrer Verharmlosung durch andere entstanden und auch dafür gedacht ist. Du setzt Defma immer ein und besonders feministischen Kreisen gegenüber. Denn ihre Art, Sexismus anzuprangern empfindest du als Übergriff dir und anderen Männern gegenüber. Du wirfst den Feministinnen vor, dir gegenüber sexistisch gewesen zu sein und lässt keine Gegenrede zu, weil es nun einmal deine Wahrnehmung ist und du das so empfindest.

Auch in Überschneidung mit Dem Platzhirsch, Dem Antisexisten und Dem Pragmatischen Sexisten zu finden.

*Das Defma-Konzept (“Definitionsmacht”) wurde entwickelt, um Personen (meistens nicht-cis Tüpen), die Opfer (meist sexualisierten) übergriffigen Verhaltens wurden, zu stärken. Aus der Erfahrung heraus, dass vielen ihre Berichte nicht geglaubt oder diese verharmlost werden, wird bei Defma der betroffenen Person uneingeschränkt geglaubt. Sie hat die Definitionsmacht über das Geschehen. Was sie als übergriffig empfunden hat, war auch übergriffig. Punkt. Sie bestimmt auch, was sie braucht und auf welche Art und Weise mit dem Täter umgegangen werden soll.

Der Ermutiger

Sobald eine Person, die du als weiblich identifizierst, etwas tut, was du für eine Frau für sehr mutig hältst – etwa einen individuellen Kleidungsstil haben oder sich in deinen Augen unweiblich benehmen –, lobst du sie dafür, dass sie etwas tut, was ja sonst alle außer dir an einer Frau hässlich, scheiße oder unangenehm finden, und sagst ihr, dass sie bloß nicht damit aufhören soll. Du kennst sie zwar nicht, du bist aber sicher, dass sie deine Ermutigung braucht, damit sie es schafft, weiter durchzuhalten, sich so ungewöhnlich und außer der Norm zu verhalten.

Auch in Überschneidung mit Dem Toleranten und Dem Faszinierten zu finden.

Der Proletarier

Du hast die größten Entbehrungen auf dich genommen, du kennst Hunger und Durst. Du bist auch noch Arbeiter und damit die Person, die das Härteste erlebt hat und die deshalb weiß, was Dankbarkeit, was Gastfreundschaft, was Menschlichkeit ist. Du weißt, dass Arbeiter*innen die besseren Menschen sind, denn du gehörst ja schließlich selbst dazu. Dabei ist dir bewusst, dass deine linken Mitmenschen ebenso wie du zu dieser edlen Klasse gehören, was dich zu großer Rührseligkeit gegenüber deinen Genoss*innen bewegt.

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Macker und Dem Anführer.

Der Unterstützer von Frauen*

Da es nicht mehr so in ist in der linksradikalen Szene, einem essentialistischen Feminismus anzugehören, unterstützt du nicht mehr Frauen in ihrem feministischen Kampf, sondern Frauen*. In einer Fußnote erklärst du, dass Frauen* gleichbedeutend mit FLINT, also „Frauen, Lesben, Inter-, Non binary und Transpersonen“, ist. Und schon bist du Queerfeminist. Umstellung geschafft!

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Faulpelz und Dem Hauptwiderspruchsvereinnahmten.

Der Witzbold

Bei Gesprächen bist du immer der King, denn du hast ein schier unerschöpfliches Repertoire an Wortwitzen, komischen Einlagen, Dialekten und ein geschickt einsetzbares lautes Organ. Jedes Gespräch unterbrichst du, sobald du ein Stichwort hörst, das als Vorlage für einen deiner Witze geeignet ist. Natürlich bindest du alle in deine Späße mit ein, damit bloß kein anderes Gespräch möglich ist.

Auch in Überschneidung mit Dem Platzhirsch zu finden.

Interview mit der „Nebenwidersprüche“

Vor einigen Tagen erschien die neue Ausgabe des anarchafeministischen Fanzines „Nebenwidersprüche“ zum Thema Toxische Männlichkeit. Da konnte unsere neue Tüpologie natürlich nicht fehlen, weshalb wir ein Interview mit den Herausgeber*innen geführt und ihnen exklusiv zwei Tüpen zur Erstveröffentlichung überlassen haben: den Ritter auf seinem weißen Pferd und den Ermutiger. Du findest sie und unser Interview hier auf den Seiten 51 und 54 bis 57. Übrigens ist der Rest des Heftes auch sehr lesenswert :-).