Der Sensible

Du willst mit dem Klischee, dass Frauen das „gefühlvolle Geschlecht“ sind, ordentlich aufräumen! Deine Gefühle und Probleme müssen IMMER Vorrang vor allem anderen haben. Und du hast viele, viele verschiedene Gefühle und Nöte. Ungefragt und wirklich zu jeder Gelegenheit breitest du sie vor anderen aus. Vor allem vor Frauen, weil die kennen sich damit aus, sie sollen dir helfen! Natürlich stimmt das Klischee nicht, das weißt du, aber trotzdem sind doch Frauen irgendwie da mehr in so Gefühlssachen involviert, oder? So historisch betrachtet und so. Wenn nötig, muss also jede Woche das Plenum abgebrochen werden, um über deine Probleme, bei Frauen zu punkten und ähnliches, zu sprechen. Du beweist allen damit, dass Männer auch Gefühle haben dürfen und das findest du unglaublich cool von dir!

Auch in Überschneidung mit Dem Feministischen Verführer und Dem Antisexisten zu finden.

Der diskriminierte Mann

Defma(*) ist dein Ding. Du hast jedoch nicht verstanden, dass Defma im Kontext sexualisierter Übergriffe und ihrer Verharmlosung durch andere entstanden und auch dafür gedacht ist. Du setzt Defma immer ein und besonders feministischen Kreisen gegenüber. Denn ihre Art, Sexismus anzuprangern empfindest du als Übergriff dir und anderen Männern gegenüber. Du wirfst den Feministinnen vor, dir gegenüber sexistisch gewesen zu sein und lässt keine Gegenrede zu, weil es nun einmal deine Wahrnehmung ist und du das so empfindest.

Auch in Überschneidung mit Dem Platzhirsch, Dem Antisexisten und Dem Pragmatischen Sexisten zu finden.

*Das Defma-Konzept (“Definitionsmacht”) wurde entwickelt, um Personen (meistens nicht-cis Tüpen), die Opfer (meist sexualisierten) übergriffigen Verhaltens wurden, zu stärken. Aus der Erfahrung heraus, dass vielen ihre Berichte nicht geglaubt oder diese verharmlost werden, wird bei Defma der betroffenen Person uneingeschränkt geglaubt. Sie hat die Definitionsmacht über das Geschehen. Was sie als übergriffig empfunden hat, war auch übergriffig. Punkt. Sie bestimmt auch, was sie braucht und auf welche Art und Weise mit dem Täter umgegangen werden soll.

Der Ermutiger

Sobald eine Person, die du als weiblich identifizierst, etwas tut, was du für eine Frau für sehr mutig hältst – etwa einen individuellen Kleidungsstil haben oder sich in deinen Augen unweiblich benehmen –, lobst du sie dafür, dass sie etwas tut, was ja sonst alle außer dir an einer Frau hässlich, scheiße oder unangenehm finden, und sagst ihr, dass sie bloß nicht damit aufhören soll. Du kennst sie zwar nicht, du bist aber sicher, dass sie deine Ermutigung braucht, damit sie es schafft, weiter durchzuhalten, sich so ungewöhnlich und außer der Norm zu verhalten.

Auch in Überschneidung mit Dem Toleranten und Dem Faszinierten zu finden.

Der Proletarier

Du hast die größten Entbehrungen auf dich genommen, du kennst Hunger und Durst. Du bist auch noch Arbeiter und damit die Person, die das Härteste erlebt hat und die deshalb weiß, was Dankbarkeit, was Gastfreundschaft, was Menschlichkeit ist. Du weißt, dass Arbeiter*innen die besseren Menschen sind, denn du gehörst ja schließlich selbst dazu. Dabei ist dir bewusst, dass deine linken Mitmenschen ebenso wie du zu dieser edlen Klasse gehören, was dich zu großer Rührseligkeit gegenüber deinen Genoss*innen bewegt.

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Macker und Dem Anführer.

Der Unterstützer von Frauen*

Da es nicht mehr so in ist in der linksradikalen Szene, einem essentialistischen Feminismus anzugehören, unterstützt du nicht mehr Frauen in ihrem feministischen Kampf, sondern Frauen*. In einer Fußnote erklärst du, dass Frauen* gleichbedeutend mit FLINT, also „Frauen, Lesben, Inter-, Non binary und Transpersonen“, ist. Und schon bist du Queerfeminist. Umstellung geschafft!

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Faulpelz und Dem Hauptwiderspruchsvereinnahmten.

Der Witzbold

Bei Gesprächen bist du immer der King, denn du hast ein schier unerschöpfliches Repertoire an Wortwitzen, komischen Einlagen, Dialekten und ein geschickt einsetzbares lautes Organ. Jedes Gespräch unterbrichst du, sobald du ein Stichwort hörst, das als Vorlage für einen deiner Witze geeignet ist. Natürlich bindest du alle in deine Späße mit ein, damit bloß kein anderes Gespräch möglich ist.

Auch in Überschneidung mit Dem Platzhirsch zu finden.

Interview mit der „Nebenwidersprüche“

Vor einigen Tagen erschien die neue Ausgabe des anarchafeministischen Fanzines „Nebenwidersprüche“ zum Thema Toxische Männlichkeit. Da konnte unsere neue Tüpologie natürlich nicht fehlen, weshalb wir ein Interview mit den Herausgeber*innen geführt und ihnen exklusiv zwei Tüpen zur Erstveröffentlichung überlassen haben: den Ritter auf seinem weißen Pferd und den Ermutiger. Du findest sie und unser Interview hier auf den Seiten 51 und 54 bis 57. Übrigens ist der Rest des Heftes auch sehr lesenswert :-).

Der Anführer

Sobald es auf Demos brenzlig werden könnte, blühst du auf. Du schreitest die Reihen deiner Mannen ab, gibst Befehle, hältst den Block zusammen. Egal, wie viel Demoerfahrung du hast, du weißt, was zu machen ist. Und die Leute folgen dir, denn du schreist am lautesten.

Auch in Überschneidung mit Dem Macker, Dem Souveränen, Dem Harten und Dem Proletarier zu finden.

Der Poly-Amor

Du hast das Konzept der Polyamorie entdeckt, bist zufällig gerade Single und willst das jetzt endlich ausprobieren. Da du davon ausgehst, dass linksradikal und polyamor deckungsgleich ist, sprichst du jede weibliche Person, die dir irgendwie gefällt – unabhängig von ihrem Beziehungsstatus und dem, was sie selbst über ihre Vorlieben eventuell hat verlauten lassen –, ganz direkt darauf an, dass du sie sexuell anziehend findest und ob sie sich ein polyamores Verhältnis mit dir vorstellen könnte. Wenn die Reaktion kein eindeutiges „ja“ ist und unbestimmt bis mehr als zurückhaltend oder gar ablehnend ausfällt – was meistens der Fall ist –, ist das für dich noch lange kein Grund, deine Annäherungsversuche einzustellen, denn man kann ja über alles reden.

Auch in Kombination mit Dem Platzhirsch, Dem Feministischen Verführer und Dem Gefriendzonedten zu finden.

Der Faulpelz

Wenn du bei feministischen Aktionen gefragt wirst, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, ist es dir sehr wichtig darauf zu achten, dass die Aktion durch dich kein zu männliches Gesicht bekommt. Leider bekommen fast alle Aufgaben ein zu männliches Gesicht, wenn du sie übernimmst, weshalb du eigentlich gar nichts machst und die ganze Arbeit bei den Frauen hängen bleibt.

Auch zu finden in Überschneidung mit Dem Unterstützer Von Frauen* und Dem bescheidenen Ally.